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Der Herbst in der Ortenau

Kaum merklich ist er eingezogen. Der Herbst mit all seinen vielen bunten Blättern. Mit Stürmen die um die Häuser ziehen, an Fensterläden klappern und uns den Schal aus dem Versteck ziehen lassen.
Der Herbst macht die Menschen melancholisch. Lässt sie zurückdenken an den Sommer, und dass das Jahr nun bald wieder zu Ende geht. Das merkt man auch vielen der unten stehenden Gedichten an. Zu allen Zeiten haben sich die Menschen inspirieren lassen von dem Zauber des Vergänglichen.

Und jedes Jahr aufs neue staune ich auch immer wieder... wie viele Farben die Natur hervorbringt nach dem satten Grün der Sommermonate. Ich halte mich gerne draußen auf, und ich glaube am allerliebsten jedoch in den letzten Monaten des Jahres. Fühle mich dann der Natur verbunden- vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass ich eine Herbstgeborene bin?

Diese Seite ist ist nun dem Herbst gewidmet. 
Mit Bildern von mir und Werken von berühmten Autoren zu dieser Jahreszeit.

Auch hier möchte ich wieder aufrufen.. zum mitmachen:

Wer ein passendes Gedicht kennt, und es hier auf dieser Seite  sehen möchte, der möge es mir einfach schicken. Gerne binde ich es ein, mit Dank und Autorenvermerk.

 

Ich sah den Wald sich färben,
Die Luft war grau und stumm;
Mir war betrübt zum Sterben,
Und wußt' es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude
Hertrieb das dürre Laub;
Da dacht' ich: deine Freude
Ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,
Dein reicher Sommer schwand;
An die gefrorne Scholle
Bist du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
Der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,
Das Lied ins Ohr mir kam,
Fühlt' ich's wie Trost mir dringen
Zum Herzen wundersam.

Es mahnt' aus heller Kehle
Mich ja der flücht'ge Gast:
Vergiß, o Menschenseele,
Nicht, daß du Flügel hast.

Emanuel Geibel (1815-1884)

Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
  als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
  sie fallen mit verneinender Gebärde.
  
  Und in den Nächten fällt die schwere Erde
  aus allen Sternen in die Einsamkeit.
  
  Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
  Und sieh dir andre an: es ist in allen.
  
  Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
  unendlich sanft in seinen Händen hält

Rainer Maria Rilke

 

 

Dies ist ein Herbsttag ...

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

 

Abschied

Das Gestern, das mich flieht, kann ich nicht halten,
Das Heute drückt mich wie ein Frauenschuh.
Die kleinen Wandervögel schon entfalten
Die Flügel herbstlich ihrer Heimat zu.
Ich steige auf den Turm, die Arme weit zu dehnen,
Und fülle meinen Becher nur mit Tränen.

Ob ich, ihr großen Dichter, euer werde?
Ich bin gekrönt, wenn mich ein Vers von euch umflicht.
Und meine Füße stampfen wohl die Erde,
Doch ach, zum Himmel tragen sie mich nicht.

Wer kann den Springbrunn mit dem Degen spalten?
Wie Öl schwimmt oben auf dem Wein die Not.
Das Gestern, das mich flieht, kann ich nicht halten.
Ich werf mich in ein steuerloses Boot;
Das Haar dem Winde flatternd preisgegeben,
Wird mich die Woge auf und nieder heben.

Li Bo,aus dem chinesischen
(701-762)

 

 

 

 

 

 

Die Tauben sitzen schwer wie Steine,
der Baum im Hof verliert Gewicht,
ein alter Mann vertritt die Beine,
wird Herbst da draußen, wie ich meine,
wird Herbst da draußen, und in mir.  

Zwölf Bänke stehn und sind vergessen,
ein Tulpenbeet hat nichts zu tun,
ein Sonnenstrahl grüßt sehr gemessen
den Herbst da draußen, und in mir.

Und Fenster blicken ernst, entschlossen,
als sähe keiner 'rein noch 'raus,
ein Pudel schüttelt sich verdrossen,
ein Unbekannter hat beschlossen,
wird Herbst da draußen, und in mir

Hildegard Knef

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
  Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
  und auf den Fluren laß die Winde los.
  
  Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
  gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
  dränge sie zur Vollendung hin und jage
  die letzte Süße in den schweren Wein.
  
  Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
  Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
  wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
  und wird in den Alleen hin und her
  unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
 

Rainer Maria Rilke

 

 

Herbst

Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.

Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
Daß man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.

Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen scheu das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.


Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!

Theodor Storm 
(1817-1888)

 

 

Herbst

dunkle Wolken
goldne Sonnenstrahlen

fallende Blätter
reiche Ernte

Winter naht mit Kälte
Erinnerung an
Sommerzeit

Wir sind gefangen 
im Wechsel der Jahreszeiten
Geborgen 
in der Ahnung des Kommenden

M.W.

 

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise

Es ist der Liebe milde Zeit
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg Trackel
(1887-1914)

Herbst

Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süßer Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
dich, Welt, hinab

Bald sinkt's von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu -
und bringt dir Ruh,
o Welt,
o dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.

(Christian Morgenstern)

 

Letzte Rose, 

wie magst so einsam hier blühn?
Deine freundlichen Schwestern
Sind längst, schon längst dahin.
Keine Blüte hauchet Balsam
Mehr mit labendem Duft,
Keine Blättchen mehr umflattern
Dich in stürmisch bewegter Luft.

Warum blühst du so traurig
Hier im Garten so ganz allein?
Sollst im Tod noch mit den Schwestern,
Mit den Schwestern vereinigt sein.
Drum pflück' ich doch, o Rose,
Nun vom Stamm', vom Stamm' dich ab,
Sollst nun ruhen mir am Herzen
Und mit mir, ja mit mir im Grab.

F.W. Riese (1812-1883)

 

 

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